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Geistliches Wort zu Ostern 2020 von Pfarrer Karl Michael Engelbrecht

Zum Ostersonntag hat Pfarrer Engelbrecht, wie auch bereits zur Karwoche, ein geistliches Wort geschrieben und als Audiodatei aufgenommen. Die Osterkerze 2020 wurde entzündet.

Audiodatei "Geistliches Wort zu Ostern"

 

Markus schreibt in seinem Evangelium vom ersten Ostermorgen:

 

„Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.

 

Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.

 

Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.“ Amen.

 

Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus und Salome – das sind die drei Frau, die nach Überlieferung des ältesten Evangelisten am Ostermorgen zum Friedhof gehen. Da hören sie, dass ihr Herr und Meister nicht mehr im Grab liegt. Es sitzt einer da, der sagt: „Er ist auferstanden, er ist nicht hier.“ Die Frauen sind erschrocken und bestürzt. Von Angst gepackt rennen sie weg, „denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen.“

 

So beginnt der Ostermorgen für diese Frauen. Im Kreis um Jesus waren sie die Treuesten der Treuen gewesen. Sie hatten an seine freundliche Botschaft für die Kranken, die Armen, die Verachteten und auch für sie als Frauen geglaubt. Dann mussten sie erleben, wie man ihn verhaftet, gequält und ans Kreuz geschlagen hat. Ihre ganze Hoffnung war mit ihm am Kreuz gestorben. Nun ist ihnen nur noch sein Grab geblieben. Wo sollten sie sonst hingehen mit ihrer Trauer? Wohlriechende Öle hatten sie gekauft. Seinen Leichnam wollten sie damit salben. Vielleicht wollten sie ihn auch nur noch ein letztes Mal sehen. Eiligst war sein Leichnam wegen des anbrechenden Sabbats weggeschafft worden. Zum Abschied nehmen war da keine Zeit geblieben. Das Grab hatte man mit einem schweren Stein verschlossen, aber vielleicht wäre ja einer da, der ihnen den zur Seite wälzen könnte. Dann aber ist das Grab schon offen und sie werden zu ersten Zeugen der Auferstehung, zu ersten Zeugen von Ostern. Allerdings verstehen, was sie da sehen und hören, das tun sie nicht, noch nicht.

 

Der anwesende Jüngling im weißen Gewand gibt den Fortlaufenden noch den Auftrag mit: "Geht hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat."

Nach Galiläa sollen sie gehen, dahin, wo alles angefangen hat. Dort werden sie gebraucht. Dort wird ihnen der Auferstandene begegnen und er wird sie in seinen Dienst nehmen als seine Zeugen und Boten.

 

Der mehrere Tage dauernde Weg von Jerusalem nach Galiläa hat den Frauen sicher gut getan. So haben sie Zeit gefunden, das Erlebte zu verkraften, sich zu erinnern, nachzudenken und endlich auch zu verstehen, dass Gott mit dem Leben, Sterben und Auferstehen von Jesus Christus ein Zeichen setzen wollte, ein Zeichen vom Sieg des Lebens über den Tod und die anderen finsteren Mächte. Gott hat ihren Herrn nicht dem Tod überlassen und so, wie er es mit Jesus Christus gemacht hat, kann er das mit jedem tun. Er kann Gräber öffnen und den Weg frei machen. Noch so schwere Steine, die davor liegen, werden ihn nicht hindern. Gott kann bewegen, was unmöglich scheint. Wir dürfen ihm vertrauen, weil er uns liebt und weil er alles dafür tut, dass wir nicht verloren sind. Das haben die Frauen schließlich alles verstanden und sie haben getan, wie es ihnen gesagt war. Mutig sind sie gegangen und haben die Osterbotschaft weitergetragen.

 

Jesus Christus ist auferstanden! Wir dürfen uns über den Sieg des Lebens freuen. Den Frauen gleich dürfen wir uns auf den Weg machen, dürfen wir Christus nachfolgen im Geist, in der Tat, in der Auferstehung und österlich leben: zuversichtlich und befreit.

 

In diesem Sinn möchte ich auch die Symbolik auf unserer neuen Osterkerze deuten. Die Gestaltung unserer Osterkerzen liegt ja seit vielen Jahren bei der Künstlerin Irmintraud Teuwisse-Eckert. Von dieser Kerze werden wir, wenn wieder Gottesdienste in der Bergkirche möglich sind und wir dann dort auch wieder taufen, die Flamme für die Taufkerzen holen.

 

Im Blick auf die Taufe erklärt die Künstlerin ihre Gestaltung: „Es werden Ströme lebendigen Wassers fließen von dir, der du getauft bist, überströmende Fülle, Wachstumssegen aus gutem Grund, denn Du bist beschenkt.“

Im Zentrum des Symbolbildes sehe ich über dem Kreis mit dem Goldhintergrund, welcher vom göttlichen Geheimnis, dem Urgrund allen Seins zeugt, und dem das Lebenselexier des Taufwassers symbolisierenden Kreuz eine goldene Spirale. Sie ist mir Hinweis auf den goldenen Lebensweg in der Nachfolge Christi. Die sich öffnende Spirale ist ein sehr altes Symbol für die Entwicklung des Lebens. Sie steht für die Entfaltung, die Ausbreitung und das Wachsen in sich weitenden Kreisen. Beispielsweise auf alten Grabsteinen keltischer Christen symbolisiert sie den von Christus gezeigten Weg aus dem Tod zum Leben, vom irdisch Vergänglichen hin zum himmlisch Ewigen. Sie symbolisiert Weg und Richtung, in die das österliche Leben strebt.

Ich verstehe das Bild so: Gehalten, geführt und immer wieder von Gottes gegenwärtiger Macht berührt, darf sich das Leben, unter göttlichem Glanz öffnen und entfalten. Der Anfang, das Alfa, in der Taufe ist da; ein goldener Weg ist angezeigt; das Ende, der Ausgang, bleibt offen, wie das Omega unten, wenn die Kerze einmal fast abgebrannt ist. Wo führt uns das Leben hin? Früher konnten viele Menschen gerademal an Fingern und Fußzehen zusammen bis zwanzig zählen. Das war die Grenze. Wir zählen jetzt 20 20. Ich frag mich in diesen Zeiten: Ist immer noch alles offen in meinem Leben, in unserem Land, in der Geschichte Europas, in der Welt? Nur Gott weiß es! Wie wird sich das Leben nach der Corona-Krise gestalten? Wird es enger, wird es freier? Ist es dann vielleicht so, dass sich die Spirale anders herum dreht: nach links, nach innen; dass sich die Bahnen des Lebens verdichten, dass sie an ihr Ziel kommen? Geht das Lebensgefühl in eine befreite Zukunft oder wird es regiert von wachsender Endzeit-Stimmung?

 

Möge unser Leben auf dem goldenen Weg bleiben und gehalten sein von dem freundlich zugewandten Herz Gottes! Mit Ostern hat er anschaulich gezeigt, dass er zu uns hält. Er lässt uns nicht im Stich. Er nimmt es mit allem auf, was das Leben infragestellt und er lädt ein zu einem hoffnungsvollen österlichen Leben hier und heute. Amen.


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